Hashimoto-Thyreoiditis & Stoffwechsel: Warum der Stoffwechsel langsamer wird und was wirklich hilft
- Yasmin Eder
- 15. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Was ist Hashimoto – kurz erklärt
Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Das Immunsystem greift dabei körpereigenes Schilddrüsengewebe an. In der Folge kommt es langfristig häufig zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Da die Schilddrüse eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel spielt, hat Hashimoto weitreichende metabolische Auswirkungen.

Die Rolle der Schilddrüse im Stoffwechsel
Die Schilddrüsenhormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin) steuern nahezu alle stoffwechselaktiven Prozesse im Körper. Dazu zählen:
Grundumsatz (Energieverbrauch in Ruhe)
Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel
Muskelaufbau und -erhalt
Wärmeproduktion
Insulinsensitivität
Darmmotilität
T3 ist dabei das biologisch aktive Hormon. Es wirkt direkt in den Zellen und beeinflusst, wie effizient Energie verbrannt wird.
Wie Hashimoto den Stoffwechsel konkret beeinflusst
1. Reduzierter Grundumsatz
Bei Hashimoto – insbesondere bei einer Unterfunktion – sinkt der Grundumsatz messbar. Der Körper verbraucht weniger Energie, selbst in Ruhe. Das bedeutet:Gleiche Kalorienzufuhr wie früher führt plötzlich zu Gewichtszunahme.
2. Gestörte Umwandlung von T4 in T3
Viele Betroffene haben trotz „normalem“ TSH-Wert eine eingeschränkte periphere Umwandlung von T4 in das aktive T3. Stattdessen entsteht vermehrt reverses T3 (rT3), das stoffwechselhemmend wirkt. Der Stoffwechsel läuft dadurch auf Sparflamme – auch bei scheinbar guter Laborlage.
3. Einfluss chronischer Entzündung
Hashimoto ist mit einer chronischen, niedriggradigen Entzündung verbunden. Diese Entzündungsprozesse beeinflussen:
Mitochondrienfunktion (Energieproduktion)
Insulinsensitivität
Fettverbrennung
Hormonelle Signalwege
Ein entzündetes System arbeitet metabolisch ineffizient.
4. Insulinresistenz und Blutzuckerregulation
Studien zeigen, dass Hashimoto-Patientinnen häufiger Insulinresistenz entwickeln – unabhängig vom Körpergewicht. Insulinresistenz hemmt die Fettverbrennung und begünstigt insbesondere viszerales Fettgewebe.
5. Verlust an Muskelmasse
Schilddrüsenhormone sind essenziell für den Muskelerhalt. Ein Mangel begünstigt Muskelabbau. Weniger Muskelmasse bedeutet automatisch einen niedrigeren Energieverbrauch – ein oft unterschätzter Teufelskreis.
Warum klassische Diäten bei Hashimoto oft scheitern
Viele Betroffene reagieren mit Kalorienreduktion oder restriktiven Diäten. Kurzfristig kann das Gewicht sinken, langfristig verschlechtert sich jedoch häufig die Stoffwechsellage:
weiterer Abfall des Grundumsatzes
Stresshormonanstieg (Cortisol)
verstärkte T4-zu-rT3-Umwandlung
Heißhunger und Erschöpfung
Das Problem ist nicht fehlende Disziplin, sondern eine physiologisch veränderte Stoffwechsellage.
Was den Stoffwechsel bei Hashimoto wirklich unterstützt
1. Optimale Schilddrüseneinstellung
Nicht nur der TSH-Wert ist entscheidend, sondern das Zusammenspiel aus TSH, freiem T4, freiem T3 und klinischen Symptomen.
2. Entzündungsarme, bedarfsgerechte Ernährung
Eine individuell angepasste Ernährung kann Entzündungsmarker senken, die Insulinsensitivität verbessern und die Stoffwechselaktivität unterstützen.
3. Ausreichende Proteinversorgung
Eiweiß ist zentral für den Muskelerhalt, die Thermogenese und einen stabilen Blutzucker. Gerade bei Hashimoto ist eine bedarfsgerechte Proteinzufuhr essenziell.
4. Mikronährstoffe mit Stoffwechselrelevanz
Bestimmte Nährstoffe sind für Schilddrüsenfunktion und Hormonumwandlung unerlässlich, darunter Selen, Zink, Eisen, Vitamin D, Magnesium, Coenzym Q10 und Omega-3-Fettsäuren. Mängel können den Stoffwechsel zusätzlich bremsen.
5. Stressmanagement
Chronischer Stress wirkt direkt hemmend auf die Schilddrüsenhormonwirkung und fördert die Bildung von rT3. Ein nachhaltiger Stoffwechsel ist ohne Stressregulation kaum möglich.
Fazit: Hashimoto ist kein Willensproblem, sondern ein Stoffwechselthema
Hashimoto verändert den Stoffwechsel auf mehreren Ebenen gleichzeitig: hormonell, entzündlich und energetisch. Gewichtszunahme und Abnehmblockaden sind keine persönliche Schwäche, sondern die logische Folge einer komplexen physiologischen Situation. Mit einer fundierten Diagnostik, gezielter Ernährung, angepasster Bewegung und Stressreduktion lässt sich der Stoffwechsel jedoch nachhaltig stabilisieren – ohne radikale Diäten oder ständigen Kampf gegen den eigenen Körper.
Quellen
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