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Hashimoto und Fettleber: Warum deine Schilddrüse und deine Leber eng zusammenarbeiten

  • Autorenbild: Yasmin Eder
    Yasmin Eder
  • 22. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Kämpfst du mit Hashimoto-Thyreoiditis und leidest trotz gut eingestellter Werte unter extremer Müdigkeit oder Gewichtsproblemen, die einfach nicht verschwinden wollen? Oft liegt die Ursache dafür nicht nur in deiner Schilddrüse, sondern in deiner Leber. Die aktuelle Forschung zeigt deutlicher denn je, dass diese beiden Organe in einem ständigen Dialog stehen. Wenn das eine aus dem Takt gerät, leidet das andere oft mit. In diesem Beitrag erfährst du, wie dieser Zusammenhang funktioniert und was du heute aktiv für deine Gesundheit tun kannst.

Diätologin Yasmin, Expertin für Hashimoto


Neue Namen für die Fettleber: Was du wissen solltest

In der Medizin hat sich seit Sommer 2023 ein wichtiger Wandel vollzogen. Die Begriffe „alkoholische“ oder „nicht-alkoholische“ Fettleber werden heute kaum noch verwendet, um Missverständnisse und Stigmatisierung zu vermeiden.  

Heute sprechen Fachleute von der MASLD (metabolisch assoziierte steatotische Lebererkrankung). Das bedeutet für dich einfach erklärt: Eine Fettleber, die durch Stoffwechselprobleme entsteht. Wenn sich diese Verfettung entzündet, wird sie als MASH bezeichnet. Für dich als Hashimoto-Patientin ist das besonders relevant, da deine Schilddrüse deinen gesamten Stoffwechsel steuert und somit direkt beeinflusst, ob deine Leber Fett einlagert oder verbrennt.



Warum Hashimoto deine Leber belastet oder zu Fettleber führt

Die Verbindung zwischen deinen Organen ist kein Zufall. Studien belegen, dass Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion ein bis zu 1,68-fach höheres Risiko haben, eine MASLD zu entwickeln.

Der Hauptgrund dafür ist das Hormon TSH. Wenn deine Schilddrüse nicht genug Hormone produziert, steigt dein TSH-Wert im Blut an. Deine Leber besitzt spezielle Rezeptoren für dieses Hormon. Ein hohes TSH gibt deiner Leber quasi den direkten Befehl:

  1. Fett herstellen: Deine Leber produziert verstärkt neues Fett (De-novo-Lipogenese).

  2. Fettverbrennung stoppen: Der Abbau von vorhandenem Fett wird verlangsamt, da die sogenannte Beta-Oxidation gehemmt wird.

Dadurch sammeln sich Fetttröpfchen in deinen Leberzellen an, was dein Organ auf Dauer belastet und dich müde machen kann.



Die „leisen“ Signale: Worauf du achten solltest

Das Tückische an der Leber ist, dass sie keine Schmerzrezeptoren hat. „Die Leber leidet leise“, warnen Mediziner oft. Dennoch gibt es Warnsignale, die du ernst nehmen solltest, besonders wenn du Hashimoto und Fettleber hast:

  • Anhaltende Müdigkeit und Antriebslosigkeit, die auch durch deine Hormoneinstellung nicht besser wird.

  • Ein Druckgefühl oder eine leichte Schwellung in deinem rechten Oberbauch.

  • Konzentrationsprobleme (der typische „Brain Fog“).

  • Blähungen oder ein ständiges Völlegefühl.

Sprich mit deinem Arzt über eine regelmäßige Kontrolle deiner Leberwerte wie GPT (ALT), GOT (AST) und GGT, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.



Was du tun kannst: Wege zu deiner gesunden Leber

Die gute Nachricht ist: Deine Leber ist ein wahres Regenerationswunder. Wenn du die Ursachen angehst, kann sich dein Organ oft vollständig erholen.


1. Optimiere deine Hormoneinstellung

Eine stabile Einstellung mit L-Thyroxin ist deine Basis. Wenn dein Körper wieder ausreichend mit Hormonen versorgt wird, normalisiert sich oft auch der Fettstoffwechsel in deiner Leber.


2. Nutze die Kraft von Selen und Myo-Inositol

Neuere Studien zeigen, dass eine Kombination aus Myo-Inositol und Selen täglich sehr hilfreich für dich sein kann.

  • Diese Kombination kann dir helfen, deinen TSH-Wert sanft zu senken und deine Antikörper (Anti-TPO) zu reduzieren.

  • Myo-Inositol unterstützt deine Leber zudem dabei, Fett besser abzutransportieren und deine Insulinwirkung zu verbessern.


3. Passe deinen Lebensstil sanft an

  • Kaffee trinken: Überraschenderweise ist Kaffee sehr gesund für deine Leber. 2 bis 4 Tassen täglich können dein Risiko für Leberentzündungen senken.

  • Industrielle Fruktose reduzieren: Industrieller Fruchtzucker in Softdrinks und Fertigprodukten ist Schwerstarbeit für deine Leber. Versuche, diesen konsequent zu meiden.

  • Tägliche Bewegung: Schon 30 bis 60 Minuten moderate Bewegung am Tag helfen deiner Leber, überschüssiges Fett abzubauen.



Fazit: Deine Leber braucht deine Aufmerksamkeit

Hashimoto hört nicht bei deiner Schilddrüse auf. Deine Leber spielt eine entscheidende Rolle für dein Wohlbefinden und dein Energielevel. Indem du auf deine Leberwerte achtest, deine Ernährung sanft anpasst und gezielte Nährstoffe nutzt, unterstützt du nicht nur deinen Stoffwechsel, sondern gewinnst auch deine Lebensqualität zurück. Eine gesunde Schilddrüse braucht eine starke Leber.




Quellen

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